Neuer Text von Claus Baumann zu den Kunsttheorien Walter Benjamins, Theodor W. Adornos und Guy Debords.
Kostenloser Pdf-Download: Spektakel - Kunst - Gesellschaft. Guy Debord und die Situationistische Internationale
Der Band versammelt Beiträge zur Situationistischen Internationale, u.a. auch von Biene Baumeister Zwi Negator.
Der zurzeit in den iranischen Städten vor sich gehende Aufstand bringt die offenen Schulden der Geschichte nicht nur in Hinblick auf die Islamische Republik Iran ins Spiel. Angesichts der Entwicklung, welche die Revolution schon in Algerien nahm (deren traurige Resultate in den neunziger Jahren dann nicht mehr zu übersehen waren), sprach es die Situationistische Internationale (SI) schon 1965 aus: Man werde »zuerst Schluss machen müssen mit dem Islam«. 13 Jahre später waren es im Iran natürlich auch nicht die »islamische Opposition« oder die pro-sowjetische Tudeh-Partei bzw. andere »revolutionäre Trümmerhaufen« (SI), die den Sturz des Schahs einleiteten, sondern es war der wilde Streik der Arbeiter in der Erdölindustrie. Dieser führte zu einem der größten Revolutionsanläufe des 20. Jahrhunderts – während der Umsturzphase beteiligten sich um die zehn Millionen Menschen an den laufenden Kämpfen –, aber zugleich einem der tragischsten und am stärksten verdrängten. Denn die Islamisten erhielten die Akzeptanz, mit der sie sich an die Spitze der Revolution setzen und diese in die Barbarei führen konnten, gerade von vielen Linken. Deren Antiimperialismus war es, der sie, in schon immer falschen, mehr oder weniger völkischen Dichotomien verfangen, sich selbst an ihre Henker ausliefern ließ.
In den Jahren nach 1979 ist eine ganze Generation von hochgebildeten Revolutionären von dem klerikalfaschistischen Regime gefoltert, zu Zehntausenden massakriert oder aus dem Land getrieben worden. Mit ihnen wurde auch ein Bild jener Revolution kolportiert, das es endlich zu zerstören und neu zu konstruieren gilt, soll sich eine neue revolutionäre Generation den Raum nehmen, um in ihrer Zeit unbedingt modern sein zu können. Nimmt sie sich ernst, so wird sie illusionsloser sein müssen als die 1979 Geschlagenen. Denn Antiamerikanismus und Antisemitismus sind im Iran Staatsreligion und erweisen sich dort heute als das, was sie schon immer waren und sind: die zentralen konterrevolutionären Ideologien. Oder mit den Worten einer exil-iranischen Filmemacherin gesprochen: »Dieser verdammte Antiamerikanismus, der hat uns das Genick gebrochen – diesen Mist brauche ich nie wieder!«
Doch von dieser Einsicht wollen die meisten (anti-)globalen und insbesondere die deutschen Linken nichts wissen. So mag es ein wenig hoffnungsvoll stimmen, dass am vorvergangenen Wochenende in Hamburg auf einer Kundgebung von linken Exil-Iranern einmal die antiimperialistischen Schläger gehen mussten, als sie mit Israel solidarische Communistinnen und Communisten angriffen.
Nicht nur alle ungelösten Probleme der dort bisher gescheiterten Revolutionen, sondern der modernen Revolution überhaupt haben sich im Iran angestaut und entladen sich nun, da das Racket der Mullahs zerfällt. Sämtliche seit der Konstitutionellen Revolution 1906 unternommenen Versuche, eine eigenständige bürgerliche Gesellschaft zu entwickeln, sind gewaltsam beendet worden, und das Scheitern jener kapitalistischen Modernisierung, die der orientalischen Despotie unter dem Schah aufgezwungen wurde, führte zu der politischen Revolution von 1979. Das Leben ist in ökonomischer Hinsicht heute noch schlechter, als es damals war. Die jetzt aufkommende Bewegung wird ihre eigene Sprache finden müssen, um ein Bewusstsein ihres eigenen Handelns und ihrer enormen Möglichkeiten erlangen zu können. In so einer Situation kann ihr einziger Bündnispartner nur die Wahrheit sein – andere Alliierte, von welchen in den vergangenen Jahren halluziniert wurde, sie würden, wenngleich aus falschen Gründen, schon das Richtige tun, könnten im schlechten Fall aus für sie selbst richtigen Gründen auch schnell wieder das für die Emanzipation Falsche tun. »Indessen bleiben die Arbeiter«, so schon 1972 das letzte Wort der SI hinsichtlich des gesamtgesellschaftlichen Handelns, dessen »Zentrum selbst: weil in ihren Händen der wesentliche Teil der sozialen Produktion liegt und weil sie am ehesten auf dem reinen Tisch der aufgehobenen ökonomischen Entfremdung neu aufbauen können. Das Proletariat kann nur geschichtlich definiert werden, durch das, was es tun kann, und durch das, was es wollen kann und muss.«
Für eine Rückkehr der Geschichte gibt es im Iran die besten Bedingungen, denn dort muss wirklich »heute das Unglück überall zurückgeschlagen werden« (SI). Dabei geht es für eine entstehende cosmo-communistische Bewegung weltweit tatsächlich einmal um alles. Denn nichts kann im Iran heute außer Acht gelassen werden, in dem Bürgerkrieg, der nun zu führen ist und der, sollte er ohne Nachsicht gegen die Reaktion geführt werden, das Gesicht der ganzen Region verändern wird. Kein Aspekt des gesamten gesellschaftlichen Lebens wird vernachlässigt werden können, weil hier alles so rückständig und brutal ist, und sei es auch nur gemessen an dem heute schon Möglichen und den vom modernen Weltmarkt herangewehten Traum- und Selbstbildern. Die reaktionäre Kolonisierung des Alltagslebens und der beständige Entzug von Gesellschaftlichkeit, die so unendlich qualvollere und ständig gefährdete Subjektkonstitution, das Geschlechterverhältnis – all das schreit nach einer lesbischen Kolonne Durruti, nach einer Roten Armee wie in »Priscilla – Königin der Wüste« und (nicht nur) nach einem Teheran der Communardinnen und Communarden.
BBZN
Im Beatpunk Webzine ist ein Interview zur gerade in Weimar stattfindenden Veranstaltungsreihe "Spektakel Kunst Revolution" erschienen, zu der u.a. auch BBZN eingeladen sind (Vortrag 15.6.2009: "Situationisten, Avantgarde und Klassenkampf").
Geredet wird in dem Interview etwa über die Einbindung der Weimarer Bauhausgeschichte in die aktuellen Nationalfeierlichkeiten, über den Einfluss des Marxismus im Bauhaus, über Bauhaus und NS etc. Und über diese Bauhaus-/Weimar-spezifischen Diskussionen hinaus auch allgemein über die historischen Schwächen der diversen "Avantgarde"-Bewegungen und über die Möglichkeiten einer Aufhebung der Kunst in der momentanen Gegenwart.
Here you'll find a hardly more extented version of our paper held on the historical materialism conference on 11-07-2008 in london. We would be pleased with its circulation and are looking forward to your critique and comments!
Fetischistische Verhältnisse sind Schweine – das Unglück muss überall zurückgeschlagen werden!
"Die Situationistische Internationale radikalisierte den Rätekommunismus und kritisierte ihn zugleich. Aber wie dieser tendierte sie dazu, sich über den Zivilisationsbruch Auschwitz hinwegzusetzen."
Text über S.I. und Linkskommunismus in Jungle World Nr. 31, 31. Juli 2008Si-revue.de ist die Website, auf der die Zeitschrift der Situationistischen Internationale neu zugänglich gemacht wird, deren deutsche Übersetzung seit Jahren vergriffen ist. Die Artikel sind hier online lesbar, und es gibt eine neue gedruckte Ausgabe.
Im gegenwärtigen Entwicklungsstadium der postNSkapitalistischen Welt ist also unübersehbar, dass einerseits verstärkt weltweit erneuerter Antisemitismus hervorgetrieben wird, der die geschlossene Weltanschauung als Verquickung von Antikapitalismus, Antiimperialismus, Antizionismus, Anti(neo)liberalismus und Anticommunismus bündelt gegen die Projektionsfigur „USrael“ in dem sich entfaltenden Weltbürgerkrieg, der seit den 1990er Jahren seinen Ausdruck fand in der Proklamation einer „New World Order“ durch die US-Regierung einerseits, des Djihad durch die umma-utopistischen Regimes und kalifatistischen bewaffneten Formationen andererseits und in der geopolitischen Konstruktion einer „eurasischen Achse“ ausgehend vom deutschen Kerneuropa- Reichsprojekt (Supermacht DeutschEUROland), das die „Völkergemeinschaft“ seit dem von ihm entfesselten Krieg zur Zerschlagung Jugoslawiens mehr und mehr, ökonomisch aber auch schon militärisch, in eine Fronde gegen die USA in klarer Richtung auf den nächsten Griff nach der Weltmacht zu bringen versucht.
zum Text); ?>
ENFANTS PERDUS beginnen hier mit einer Kritik der »28 Thesen zur Klassengesellschaft« des KOSMOPROLET (2007).
Die Verfasserin ist in einem kleinen kommunistischen Zirkel dreier Frauen, welcher sich den Namen "Rote Sonne" gegeben hat.
Es ist in einigen Kreisen schick geworden, bei der Si nachzusehen, ob sie nicht zu diesem oder jenem Thema was Interessantes geschrieben hat. Zurecht. Nun besteht noch immer akuter Bedarf an einer Kritik des Geschlechterverhältnisses. Nicht nur, weil Versuche von links meistens theoretisch unbefriedigend („Nebenwiderspruch“) und praktisch unzureichend („gibt sich also von selbst“) waren. Es ist das Thema, welches sowohl in Freundschaften wie in Politgruppen die unergiebigsten Streitereien entfacht. Eine Lektüre der Situationisten verspricht dann zweierlei: ein ernsthaftes Interesse an der Kritik des Kapitals und an der Kritik des täglichen Lebens
Link (Conne Island Newsflyer 151/ 02-2008)
It is altogether wrong – as does SituationISM – to counterpose “analytical theoretical work“ and “artistic and activist“ practice, and to divide them in a dualist manner into regional “sections”, or “fractions”. On the contrary, “historification” understood as with the historical materialist Walter Benjamin as actualization, tries to explain the respective theory and ideology that goes along with the diverse forms of practical movement.
SituationISM likes to label all theoretical practice, and in our case here: the special forms of anti-aesthetic practice that followed the earlier stage of the SI and helped construct the situation of May 1968 in France, simply as non-practical or doctrinary-theoreticist.
This is the misrepresentation we would like to eradicate.