Info:
Diese Struktur möchte als Stützpunkt für kritische Theoriebildung dienen. Das mit den Büchern Situationistische Revolutionstheorie (wieder)aufgenommene Projekt, gegen die Verdrängung und Lähmung der modernen Revolution die Arbeit des Begriffs zu setzen, kann hier in eine kollektive Kritik überführt werden. Interessierte sind eingeladen, sich aktiv an diesem Diskussions-, Aneignungs- und Kritikprozess zu beteiligen.

Ebenso sollen hier nach und nach alle in den genannten Büchern angekündigten Exkurse zugänglich gemacht werden.
» das Lesen fortsetzen ..
A (3) | B (1) | d (5) | E (4) | F (2) | G (2) | I (1) | K (5) | L (1) | M (1) | N (3) | P (7) | R (3) | S (5) | T (3) | U (2) | V (1) | Z (1)

Alltag

Sphäre des begrenzten, à bornierten, banalisierten menschlichen Werkeltaglebens und zugleich das Reich diffuser (weitgehend unbewusster) Unzufriedenheit und Stimmungen von Unbehagen (»etwas fehlt«; »das kann's doch nicht sein« etc); à entfremdete Lebenswelt; Bereich, in dem das Individuum als ein seiner Gesellschaftlichkeit weitgehend beraubtes (franz. vie privée: a) Privatleben, b) beraubtes Leben) oder auf bloßes Familienleben, »Weekend«, Urlaub, »Freizeit« usw. reduziertes Einzelwesen erscheint (Privatheit) und in dem es sich lediglich »vegetativ« reproduziert (sprichwörtliche »Monotonie des Alltags«). Der moderne, bürgerliche Alltag stellt sich als »Tummelplatz« von wenig bis unhinterfragten à Ideologien, Traditionen, Konventionen, Gestaltungen des à Scheins und zugleich als Bereich unmittelbarer, spontaner Gesten dar (ständige Versuche, »aus dem Alltag auszubrechen«). Er à erscheint damit als vermittelte Unmittelbarkeit (vgl. à Unmittelbarismus), als Pseudokonkretheit (vgl. à konkret), d.h. als Kreuzung unterschiedlichster, widersprüchlicher Momente und ideologisch erstarrter Entwicklungstendenzen. Das bewusstseinsbildende Denken des modernen Alltags ist à abstrakt und zugleich unmittelbarkeitsfixiert i. Ggs. zum reflektierten ( à Reflexion), à kritischen Denken. Allerdings ist das Alltagsdenken, das Alltagsbewusstsein, durch welches alle »höheren« Bewusstseinsformen (wie wissenschaftliches, künstlerisches Denken usw.) geprägt bleiben, von dem sie selber notwendig ausgehen und zu dem sie (als Praxisorientierung, »Anwendbarkeit« und Konkretion) zurückkehren müssen, in seinen spontanen und durch unendliche menschliche Erfahrungen gesättigten Erkenntnisleistungen nie zu unterschätzen: muss doch das unbedingt zwingende Kriterium für das Überleben im Alltag jederzeit die effektive Praxis sein, also dahingehend auf »die richtige« Erkenntnis der unmittelbaren Wirklichkeit gerichtet sein. »Sie wissen das nicht, aber sie tun es.« Diese Marxsche Feststellung des warenfetischistischen Handelns der modernen Menschen (»Alltagsreligion«) bringt das ganze Dilemma des Alltagslebens in der hochvergesellschafteten bürgerlichen Produktionsweise, seine Leistung und seine Kurzsichtigkeit (und à Borniertheit) auf den Punkt.


Aufhebung

Hegelscher Begriff zur prozessualen Überwindung à dialektischer Widersprüche. Aufhebung (schon in der deutschen Alltagssprache) beinhaltet in sich selbst drei unterschiedliche Bestimmungsmomente: a) Bewahrung (Position bzw. bestimmte Negation), b) Beseitigung (unbestimmte Negation) und c) (Wiederein-)Setzung auf einer »höheren«, reflektierteren Stufe (Negation der Negation; neue bestimmte Negation oder Position). Der Begriff Aufhebung steht damit für die prozessuale Einheit von à Negation und à Affirmation als Teil eines höheren Ganzen (vgl. à Totalität); d.h. z.B. im Moment des Übergangs von einer Entwicklungsstufe zur nächst höheren treten Bewahrung und Zerstörung gemeinsam auf (siehe auch à Dialektik).


Avantgarde

(franz.: Vorhut): ursprünglich militärischer Begriff, spielte dann bei den französischen Utopisten zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert eine soziale und politische Rolle und wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts zum einen von künstlerischen Erneuerungsbewegungen übernommen und zum anderen von marxistischen Organisationen meist in der Wortkombination »Avantgardepartei« auf eine orthodoxe politische Führungselite eingeengt. Die lettristische Internationale (LI) und die Situationistische Internationale (SI) versuchten die Avantgardekonzeption aufzuheben und ersetzten sie durch das Konzept der enfants perdus.