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Diese Struktur möchte als Stützpunkt für kritische Theoriebildung dienen. Das mit den Büchern Situationistische Revolutionstheorie (wieder)aufgenommene Projekt, gegen die Verdrängung und Lähmung der modernen Revolution die Arbeit des Begriffs zu setzen, kann hier in eine kollektive Kritik überführt werden. Interessierte sind eingeladen, sich aktiv an diesem Diskussions-, Aneignungs- und Kritikprozess zu beteiligen.

Ebenso sollen hier nach und nach alle in den genannten Büchern angekündigten Exkurse zugänglich gemacht werden.
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Das Unglück muss zurückgeschlagen werden

Der zurzeit in den iranischen Städten vor sich ge­hende Aufstand bringt die offenen Schulden der Geschichte nicht nur in Hinblick auf die Islamische Republik Iran ins Spiel. Angesichts der Entwicklung, welche die Revolution schon in Algerien nahm (deren traurige Resultate in den neunziger Jahren dann nicht mehr zu über­sehen waren), sprach es die Situationistische Internationale (SI) schon 1965 aus: Man werde »zuerst Schluss machen müssen mit dem Islam«. 13 Jahre später waren es im Iran natürlich auch nicht die »islamische Opposition« oder die pro-sowjetische Tudeh-Partei bzw. andere »revolutionäre Trümmerhaufen« (SI), die den Sturz des Schahs einleiteten, sondern es war der wilde Streik der Arbeiter in der Erdöl­industrie. Dieser führte zu einem der größten Revolutionsanläufe des 20. Jahrhunderts – während der Um­sturz­phase beteiligten sich um die zehn Millionen Menschen an den laufenden Kämpfen –, aber zugleich einem der tragischsten und am stärksten verdrängten. Denn die Islamisten erhielten die Akzeptanz, mit der sie sich an die Spitze der Revolution setzen und diese in die Barbarei führen konnten, gerade von vielen Lin­ken. Deren Antiimperialismus war es, der sie, in schon immer falschen, mehr oder weniger völ­kischen Dichotomien verfangen, sich selbst an ihre Henker ausliefern ließ.
In den Jahren nach 1979 ist eine ganze Generation von hochgebildeten Revolutionären von dem klerikalfaschistischen Regime gefoltert, zu Zehntausenden massakriert oder aus dem Land getrieben worden. Mit ihnen wurde auch ein Bild jener Revolution kolportiert, das es endlich zu zerstören und neu zu konstruieren gilt, soll sich eine neue revolutionäre Generation den Raum nehmen, um in ihrer Zeit unbedingt modern sein zu können. Nimmt sie sich ernst, so wird sie illusionsloser sein müssen als die 1979 Geschlagenen. Denn Antiamerikanismus und Antisemitismus sind im Iran Staatsre­ligion und erweisen sich dort heute als das, was sie schon immer waren und sind: die zentralen konterrevolutionären Ideologien. Oder mit den Worten einer exil-iranischen Filmemacherin gesprochen: »Dieser verdammte Anti­amerikanismus, der hat uns das Genick gebrochen – diesen Mist brauche ich nie wieder!«
Doch von dieser Einsicht wollen die meisten (anti-)globalen und insbesondere die deutschen Linken nichts wissen. So mag es ein wenig hoffnungsvoll stimmen, dass am vorvergangenen Wochenende in Hamburg auf einer Kundgebung von linken Exil-Iranern einmal die antiim­perialistischen Schläger gehen mussten, als sie mit Israel solidarische Communistinnen und Communisten angriffen.
Nicht nur alle ungelösten Probleme der dort bisher gescheiterten Revolutionen, sondern der modernen Revolution überhaupt haben sich im Iran angestaut und entladen sich nun, da das Racket der Mullahs zerfällt. Sämtliche seit der Konstitutionellen Revolution 1906 unternommenen Versuche, eine eigenständige bürger­liche Gesellschaft zu entwickeln, sind gewaltsam beendet worden, und das Scheitern jener kapitalistischen Modernisierung, die der orientalischen Despotie unter dem Schah aufgezwun­gen wurde, führte zu der politischen Revolution von 1979. Das Leben ist in ökonomischer Hinsicht heute noch schlechter, als es damals war. Die jetzt aufkommende Bewegung wird ihre eigene Sprache finden müssen, um ein Bewusst­sein ihres eigenen Handelns und ihrer enormen Möglichkeiten erlangen zu können. In so einer Situation kann ihr einziger Bündnispartner nur die Wahrheit sein – andere Alliierte, von wel­chen in den vergangenen Jahren halluziniert wurde, sie würden, wenngleich aus falschen Grün­den, schon das Richtige tun, könnten im schlechten Fall aus für sie selbst richtigen Grün­den auch schnell wieder das für die Emanzipation Falsche tun. »Indessen bleiben die Arbeiter«, so schon 1972 das letzte Wort der SI hinsichtlich des gesamtgesellschaftlichen Handelns, des­sen »Zentrum selbst: weil in ihren Händen der wesentliche Teil der sozialen Produktion liegt und weil sie am ehesten auf dem reinen Tisch der aufgehobenen ökonomischen Entfremdung neu aufbauen können. Das Proletariat kann nur geschichtlich definiert werden, durch das, was es tun kann, und durch das, was es wollen kann und muss.«
Für eine Rückkehr der Geschichte gibt es im Iran die besten Bedingungen, denn dort muss wirklich »heute das Unglück überall zurückgeschlagen werden« (SI). Dabei geht es für eine entstehende cosmo-communistische Bewegung weltweit tatsächlich einmal um alles. Denn nichts kann im Iran heute außer Acht gelassen werden, in dem Bürgerkrieg, der nun zu führen ist und der, sollte er ohne Nachsicht gegen die Reaktion geführt werden, das Gesicht der ganzen Region verändern wird. Kein Aspekt des gesamten gesellschaftlichen Lebens wird vernachlässigt werden können, weil hier alles so rückständig und brutal ist, und sei es auch nur gemessen an dem heute schon Möglichen und den vom modernen Weltmarkt herangewehten Traum- und Selbstbildern. Die reaktionäre Kolonisierung des Alltagslebens und der beständige Entzug von Gesellschaftlichkeit, die so unendlich qualvollere und ständig gefährdete Subjekt­konstitution, das Geschlechterverhältnis – all das schreit nach einer lesbischen Kolonne Durruti, nach einer Roten Armee wie in »Priscilla – Königin der Wüste« und (nicht nur) nach einem Teheran der Communardinnen und Communarden.
Biene Baumeister Zwi Negator
http://jungle-world.com/artikel/2009/27/35379.html


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